Die Frage, in welcher Etage am wenigsten eingebrochen wird, lässt sich nicht mit einer pauschalen Stockwerkszahl beantworten. Einbrecher wählen in der Regel nicht die Etage, die statistisch am interessantesten wirkt, sondern den Zugang, der schnell, unauffällig und mit geringem Risiko erreichbar ist. Trotzdem zeigt die Erfahrung aus der Sicherheitsberatung: Am stärksten gefährdet sind meist Erdgeschosswohnungen, Hochparterre und leicht erreichbare erste Obergeschosse. Dort befinden sich Fenster, Terrassen- und Balkontüren oft in Griffhöhe oder können über Mauern, Vordächer, Mülltonnen, Garagen oder Kletterhilfen erreicht werden. Wohnungen in mittleren und höheren Etagen sind tendenziell weniger attraktiv, wenn es keine einfachen Aufstiegsmöglichkeiten gibt und der Zugang nur über das Treppenhaus möglich ist.
Am wenigsten gefährdet sind häufig Wohnungen in höheren mittleren Etagen eines Mehrfamilienhauses, sofern sie weder über Laubengänge, außenliegende Fluchttreppen, Nachbarbalkone noch über Dachflächen erreichbar sind. Einbrecher vermeiden lange Wege durch Treppenhäuser, weil sie dort Bewohnern, Besuchern oder Kameras begegnen können. Auch der Abtransport von Diebesgut ist in oberen Etagen aufwendiger. Dennoch bedeutet eine hohe Etage nicht automatisch Sicherheit. Wird die Wohnungstür unzureichend gesichert, kann auch eine Wohnung im fünften oder sechsten Stock Ziel eines Einbruchs werden, insbesondere wenn das Gebäude anonym ist, viele Parteien hat oder der Hauseingang leicht zugänglich bleibt.
Warum Erdgeschoss und erste Etage besonders gefährdet sind
Erdgeschosswohnungen bieten Einbrechern oft mehrere Ansatzpunkte: Eingangstür, Fenster, Kellerzugänge, Terrassentüren und rückwärtige Bereiche. Gerade schlecht einsehbare Gebäudeseiten, Innenhöfe oder Gärten können Täter begünstigen, weil sie dort weniger beobachtet werden. Im ersten Obergeschoss ist das Risiko ebenfalls erhöht, wenn Balkone, Fallrohre, Carports, Anbauten oder Vordächer als Aufstiegshilfe dienen. Viele Einbrüche erfolgen nicht durch spektakuläres Einschlagen von Scheiben, sondern durch das Aufhebeln von Fenstern und Türen. Deshalb sind abschließbare Fenstergriffe allein kein vollständiger Schutz, sondern sollten mit stabilen mechanischen Sicherungen und widerstandsfähigen Beschlägen kombiniert werden.
In oberen Etagen verlagert sich der wichtigste Schwachpunkt häufig auf die Wohnungstür. Wenn die Haustür eines Mehrfamilienhauses tagsüber offensteht oder Besucher ohne Rückfrage eingelassen werden, können Täter ungestört in das Treppenhaus gelangen. Eine einfache Wohnungstür mit schwachem Schließblech, altem Zylinder oder fehlender Mehrfachverriegelung kann dann zum Einbruchsziel werden. Besonders problematisch sind Situationen, in denen Nachbarn kaum miteinander kommunizieren oder Geräusche im Hausflur als normal empfunden werden. Für private Bewohner und gewerbliche Nutzer gilt daher gleichermaßen: Die Etage reduziert zwar manche Risiken, ersetzt aber keinen durchdachten Einbruchschutz an Türen, Fenstern und Zugängen.
Welche Rolle Gebäudeart und Umgebung spielen
Ob eine Etage sicherer ist, hängt stark von der Bauweise und der Umgebung ab. In einem freistehenden Haus mit Einliegerwohnung kann schon ein niedriges Fenster auf der Rückseite kritischer sein als eine gut gesicherte Wohnungstür im dritten Stock eines belebten Mehrfamilienhauses. In Wohnanlagen mit Laubengängen sind auch höhere Etagen von außen zugänglich, sodass Fenster und Türen zur Gangseite sorgfältig geschützt werden sollten. Bei Gewerbeeinheiten kommen zusätzliche Faktoren hinzu, etwa Lieferzugänge, Hinterhöfe, Lagerbereiche oder Schaufenster. Auch Beleuchtung, Sichtachsen, Nachbarschaft, Zutrittskontrolle und regelmäßige Anwesenheit beeinflussen, ob ein Objekt für Täter attraktiv erscheint.
Wer eine Wohnung auswählt oder die Sicherheit eines bestehenden Objekts verbessern möchte, sollte deshalb nicht nur nach der Etage fragen, sondern nach den konkreten Einstiegsmöglichkeiten. Eine höher gelegene Wohnung ohne Kletterhilfen und mit sicherer Tür ist meist weniger gefährdet als eine ebenerdige Wohnung mit ungesicherten Terrassentüren. Sinnvoll sind mechanische Sicherungen an gefährdeten Fenstern und Türen, eine stabile Wohnungseingangstür, aufmerksame Nachbarschaft, gute Beleuchtung und bei Bedarf ergänzende Sicherheitstechnik wie Bewegungsmelder, Videoüberwachung oder eine fachgerecht geplante Alarmanlage. So entsteht ein Sicherheitskonzept, das nicht allein auf die Lage im Gebäude vertraut, sondern tatsächliche Schwachstellen reduziert.
